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Nachhaltigkeit in der deutschen Tech-Branche zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Tech-Branche angekommen: 86 Prozent der deutschen Technologiekonzerne betrachten Nachhaltigkeit als einen wichtigen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit. Für 88 Prozent hat das Thema in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. 67 Prozent nehmen allerdings eine Diskrepanz zwischen Anspruch und tatsächlichem Engagement in ihrem Unternehmen wahr. Das zeigt eine Umfrage von Deloitte. Für den Technology Sustainability Survey wurden im Januar 173 Experten aus deutschen Tech-Unternehmen befragt, wie sie es mit der Nachhaltigkeit halten.

Demnach steigt der Stellenwert von Nachhaltigkeit mit der Größe des Unternehmens. Nahezu alle Befragten aus Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sehen Nachhaltigkeit als ein wichtiges Element ihres unternehmerischen Handelns. Bei fast jedem dritten Unternehmen mit weniger Mitarbeitern ist dies noch nicht der Fall. Hintergrund ist, dass in kleineren Unternehmen häufiger Ressourcen und Kompetenzen fehlen, um Nachhaltigkeitsthemen voranzutreiben.

In großen Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern wird deshalb wohl auch das Umsetzungsproblem von 82 Prozent der Befragten und damit besonders stark wahrgenommen. Diese Organisationen haben in der Regel auch besonders ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele. In kleineren Unternehmen mit oft bescheideneren Ambitionen klafft die Schere weniger stark auseinander.

Anreize für mehr Nachhaltigkeit

Anreize für mehr Nachhaltigkeit gibt es genug und diese sind in der deutschen Tech-Branche vor allem wirtschaftlicher Natur. 57 Prozent der befragten Experten nannten die Senkung von Betriebskosten als wesentlichen Treiber ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen. 47 Prozent erhoffen sich die Eroberung neuer Märkte und 42 Prozent reagieren auf die Nachfragen ihrer Kunden. 32 Prozent möchten die eigenen Mitarbeiter motivieren. Das Mindern von Klimarisiken (21 Prozent) und intrinsisches Engagement (6 Prozent) stehen hinten auf der Liste der Beweggründe.

Technologie-Unternehmen agieren nachhaltig - vor allem, wenn sie sich einen wirtschaftlichen Nutzen davon erwarten. Tatsächlich zahlen sich Nachhaltigkeitsinitiativen aus: 84 Prozent Prozent der Führungskräfte nehmen bereits heute positive Effekte ihrer Aktivitäten wahr. Überdurchschnittlich wirkungsvoll sind Initiativen im Bereich Software & Services. Hier liegt die starke Zustimmung zur Wirksamkeit der eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten um 60 Prozent höher als im Hardware-Bereich.

Kritische Rohstoffe als größte Herausforderung für eine nachhaltigere Tech-Branche

Tatsächlich ist Nachhaltigkeit kein Selbstläufer für Technologie-Unternehmen: Die Branche ist geprägt von Rohstoffen und Prozessen, die nicht besonders nachhaltig, aber in vielen Fällen schwer zu ersetzen sind, und die häufig einen hohen Ressourcenverbrauch mit sich ziehen. Rund ein Drittel der Befragten sieht hier die größten Herausforderungen für mehr Nachhaltigkeit in der Technologiebranche. Die gute Nachricht ist aber, dass das Commitment der Mitarbeiter und des Top-Managements in der Branche vorhanden ist. Nur rund zehn Prozent gaben an, dass die Unterstützung von Mitarbeitern und Management ein Problem darstellt.

Ein wichtiger Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit sind die Umsetzung ganzheitlicher Strategien. Doch das Thema wird von vielen Tech-Unternehmen, wie in anderen Branchen auch, derzeit noch vor allem ökologisch verstanden. Entsprechend sind auch die konkreten Nachhaltigkeitsinitiativen mit 32 Prozent größtenteils ökologisch ausgerichtet. Dahinter folgen hauptsächlich soziale (20 Prozent) und hauptsächlich wirtschaftliche (15 Prozent) Strategien. Derzeit verfolgen nur acht Prozent der befragten Unternehmen einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, in dem ökologische, soziale und ökonomische Aspekte gleichermaßen miteinbezogen werden.

Milan Sallaba, Partner und Leiter des Technology Sektors bei Deloitte: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass es sinnvoll ist, im Zweifelsfall kleine, kontinuierliche Schritte zu mehr Nachhaltigkeit zu machen, um die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht unnötig groß werden zu lassen. Anlass zum Optimismus gibt aber nicht zuletzt die Tatsache, dass Dynamik und Innovation fester Bestandteil der DNA von Technologie-Unternehmen sind. Jede Organisation hat passende Hebel, um Nachhaltigkeit voranzubringen – man muss sie nur betätigen."

Die Studie finden Sie hier.

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vg 24.03.2021